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Johannes Paffrath

Artist Feature

Every week an artist is featured whose single image was published by Der Greif. The Feature shows the image in the original context of the series.

Karsten Kronas - Raum für Reflexion

Nov 10, 2010

allery] Es ging lange bergab mit uns Zweien. Nein, genau genommen waren wir eine ganze Generation die es betraf, eine, die das Privileg hatte, vor seinem endgültigen Tod nochmals vor ihm zu stehen, seinen sonderbaren Geruch zu riechen und dann, wenn die Augen etwas glasig werden, weil sie noch nicht an die ungewohnten Verhältnisse dieser extrem drückenden Atmosphäre gewohnt waren, sich einfach mal von seiner Existenz tragen und treiben zu lassen. Am Abend zuvor kam ich bei meinem Bekannten in Jerusalem an, von dort aus wollten wir am nächsten Tag starten. Ich war nicht der einzige der an diesem Abend mehr als zwei Flaschen Rotwein mitgebracht hatte und es erinnerte mich an meine Wohnung in Istanbul, die mit der Dachterrasse, welche zu abendlicher Stunde auch inhaltlich die Gesprächsthemen betreffend wie dieser Balkon immer dichter wurde. Andeutungsweise sprachen wir auch über dessen ernsthaft bedrohte Existenz, über Hintergründe die, wie fast alles in Israel eben, politisch sind, wie ihm kontinuierlich immer weiter das Wasser abgegraben wird. Noch leicht verkatert stiegen wir aus dem Bus, der uns zu dem tiefstliegenden begehbaren Ort der Erde brachte. Eine Freundin von mir machte vor ungefähr zwei Jahren genau an diesem Ort ein Portrait von ihm. Die Veränderung war deutlich zu sehen. An der Stelle, wo einst noch Menschen sich an der Wasseroberfläche treiben ließen, zwinkerten einem nun die Reflektionen des Sonnenlichtes auf den Salzkristallen zu, die an den sichtbar gewordenen Steinen klammerten - und umgekehrt - als hätten beide lange von Ihrer bedrohten Existenz gewusst. Die Besonderheit dieses Ortes weckt Assoziationen in mir. Wasser in dem man nicht untergeht sondern gegenteiliges. Ich hatte das Gefühl nach oben gezogen zu werden, Richtung Universum, mit dem man sich dann unweigerlich verbunden fühlt. Um die Kamera machte ich mir auch keine Sorgen, das Portrait ist in einem Schwebezustand entstanden, einer von vielen Momenten indem wir beide keinen Bodenkontakt mehr hatten. Sorgen machte ich mir an diesem Ort nur um die nächsten Generationen, die möglicherweise diesen Schwebezustand nicht mehr erleben werden, da sein Wasserspiegel jährlich um einen Meter sinkt. Dafür funkelt dann das ganze Land, Raum für Reflektionen zwischen Israel und Jordanien wo das Tote Meer lag.